Two-Spirit People (also Two Spirit or Twospirit), an English term that emerged in 1990 out of the third annual inter-tribal Native American/First Nations gay/lesbian American conference in Winnipeg.
Florence Flubacher
Wie eine zweite Geburt
Text und Bilder: Keiko Saile
Erschienen in der Frauenzeitung (FRAZ
Transidente Menschen legen weite Wege zurück, bis sie zu ihrem wahren Ich finden. Florence Flubacher hat über fünfzig Jahre dafür gebraucht und geniesst jetzt jede Sekunde ihres neuen Lebens.
Sie wurde in einem männlichen Körper geboren und hat jahrzehntelang versucht, mit diesem zurechtzukommen. Hat eine Lehre gemacht, einen Beruf ergriffen, und sich darüber hinaus politisch betätigt, erst bei der POCH, dann bei den Grünen, danach in der SP. Immer war sie dabei auf der Seite der Schwächeren, als Kompensation für das eigene verdrängte Leiden. Schon als Teenager bemerkte sie, dass sie anders war, dass etwas mit ihr «nicht stimmte». Aber was genau? Anfang der 70er Jahre, im Alter von 19 Jahren, fiel ihr zufällig ein Artikel in die Hände, der über das Thema Transidentität berichtete. Das liess sie aufhorchen. Doch zu dieser Zeit war es alles andere als einfach, sich zu «outen». Und so war Verdrängung der leichtere Weg, oder der einzig mögliche. Florence vergrub den Wunsch nach einem anderen Körper tief in sich.
Mit der wachsenden Verantwortung in Job und Beziehung kamen jedoch die Schattenseiten des Verdrängungsprozesses ans Tageslicht. Erschöpfungszustände und Burn-Out-Syndrom. So jedenfalls wurde von ärztlicher Seite aus diagnostiziert. Eine Fehleinschätzung, wie sich später herausstellen sollte. Das Amt des Parteipräsidenten bei der SP-Sektion ihres Wohnortes gab Florence nach langjährigem Engagement auf, obwohl ihr die politische Arbeit immer sehr viel Spass bereitet hatte. Dann geschah 2005 etwas, das auf den ersten Blick unbedeutsam scheint, aber grosse Auswirkungen hatte. Florence bekam das Angebot, beruflich vom Steueramt weg und hin zu den Sozialen Diensten zu wechseln. Plötzlich veränderte sich ihr Umfeld, die Atmosphäre war offener, Leute kamen zu ihr und nahmen Anteil an ihrem Leben. Was genau im Endeffekt entscheidend war, ist für Florence nicht mehr nachvollziehbar. Aber plötzlich war er da, der Moment. Florence gestand sich ein, nicht wie ein Mann, sondern wie eine Frau zu fühlen. Eine Frau sein zu wollen, nicht nur innerlich, sondern auch äusserlich.
Danach ging alles recht schnell. 2006 wagte sie ihr privates und öffentliches Coming-Out, zunächst bei Esther, der Ehefrau, die Florence in ihrer Entscheidung von Anfang bis Ende unterstützte. Danach im Freundeskreis und in der Arbeit, was im grossen und ganzen auch positiv verlief. Schliesslich bei den Eltern. Da sei ihr schon mulmig gewesen. Einerseits stand ihr Entschluss fest, den männlichen Teil ihres Lebens hinter sich zu lassen, unabhängig davon, was die Eltern sagten. Andererseits ... sind Eltern eben doch Eltern. Das Verhältnis war bis zu diesem Zeitpunkt nicht besonders eng. Wichtig war den Eltern, was die anderen Leute von ihnen dachten, «das Bild musste stimmen». Als Florence ihnen erzählte, dass sie fortan nicht mehr Kurt, sondern eben Florence sein würde, ist der Vater einfach nur dagesessen und hat erst mal gar nichts gesagt. Und die Mutter meinte: „Ja, aber du bist ja immer noch unser Kind, oder?“
Die zweite Geburt
Im September 2008 schliesslich unterzog sich Florence der geschlechtsangleichenden Operation, ihrer zweiten Geburt, wie sie es nennt. Als sie sich danach im Spiegel betrachtete, fühlte sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben richtig wohl in ihrer Haut. Und daher auch schöner als früher. Der Operation gingen eine Hormonbehandlung und endlose Gespräche mit Ärzten und Therapeuten voraus. Wie bei einem Kreuzverhör habe sie sich gefühlt, als sie da sass, vis a vis von zwei Ärzten, die sie von A bis Z nach ihrem Leben ausfragten und verschiedene Tests mit ihr durchführten. Das alles ist aber notwendig, damit die Krankenkasse die Kosten für die Hormonbehandlung und die Operation übernimmt. Obwohl Florence heilfroh darüber ist, dass sie den Eingriff finanziell nicht allein tragen musste, empfindet sie es doch als befremdlich, dass Transidentität den Status einer Krankheit hat. Denn eigentlich geht es ihr darum zu zeigen, dass transidente Menschen auch nur ganz «normale» Leute sind. Leute auf der Suche nach ihrer eigenen Identität, so wie wir alle.
Florence Flubacher hat in Zusammenarbeit mit dem Zentrum Selbsthilfe, Basel im Februar 2009 eine Selbsthilfegruppe für transidente Menschen in der Schweiz gegründet. Weitere Informationen über die Selbsthilfegruppe für transidente Menschen «TransBasiliensis» beim Zentrum Selbsthilfe Basel (www.zentrumselbsthilfe.ch).
Weitere Informationen:
www.transx.ch (wichtige Adressen, Buchtipps, etc.)
www.transpersona.ch (veranstaltet u.a. regelmässige Treffen in Zürich)
www.transsexuell.de (umfangreiche Info-Seite, u.a. mit medizinischen Hinweisen)
1 Name von der Red. geändert
2 Transidentität ist ein anderer Begriff für Transsexualität, beide Begriffe haben nichts mit der sexuellen Orientierung (Hetero-/Homosexualität) zu tun. Betroffene bevorzugen den Begriff Transidentität, weil dieser die sexuelle Konnotation ausklammert.


